Hämochromatose: Was mache ich dagegen? | Praxis Schleicher & Brückl

Hämochromatose: Was mache ich dagegen?

Die Folgeschäden der Eisenspeicherkrankheit führen unbehandelt zu schwerwiegenden Erkrankungen im Körper. Bei rechtzeitiger Therapie können jedoch alle Schäden verhindert werden.

Klassischer Aderlass

Das bekannteste Behandlungsverfahren ist die Aderlasstherapie. Dem Patienten wird regelmäßig Blut entnommen, sodass die überfüllten Eisenspeicher geleert werden. Diese Aderlässe müssen lebenslang fortgesetzt und je nach Ausprägung der Krankheit 4 bis 12 mal pro Jahr durchgeführt werden. Die Therapie wird von den meisten Betroffenen gut toleriert, führt aber dennoch aufgrund des chronischen Blutverlustes zu einer Schwächung des Körpers. Außerdem gehen mit jeder Blutentnahme auch wichtige Blutbestandteile wie Eiweiße, Blutplättchen und weiße Blutkörperchen, die besonders für das Immunsystem wichtig sind, verloren. Bei Patienten mit Blutarmut oder ausgeprägter Herzmuskelschwäche sind Aderlässe allgemein zu gefährlich.

Medikamentöse Therapie

Bei der medikamentösen Therapie werden dem Patienten sogenannte Chelatbildner wie Deferoxamin oder Deferasirox verabreicht. Sie binden das Eisen an sich und scheiden es dann über die Niere aus. Allerdings werden die Medikamente oft nicht gut vertragen und haben viele Nebenwirkungen wie Seh- und Hörstörungen.

Erythrozytapharese: der optimierte Aderlass

Genau wie beim klassischen Aderlass wird dem Patienten bei der Erythrozytapharese Blut abgenommen. Allerdings fließt dieses sofort in ein geschlossenes System, wo es in seine Einzelteile aufgetrennt wird. Danach entfernt man gezielt nur die roten, eisenhaltigen Blutkörperchen aus dem Blut. Im Vergleich zum Aderlass lassen sich so pro Behandlung sehr viel mehr rote Blutkörperchen entfernen. Auch die Behandlungszeit ist viel kürzer.
Um die Therapie weiterhin zu verbessern und extrem hohe Eisenwerte möglichst schnell in die Norm zurückzubringen, wird vor der Erythrozytapharese die Blutbildung mit Erythropoetin angeregt. Erythropoetin ist ein Wachstumsfaktor für rote Blutkörperchen, der diese vermehrt bilden lässt. Sie verbrauchen Eisen, welches sie aus dem Gewebe, in dem es vermehrt eingelagert ist, herausholen und in sich selbst einbauen. Eine anschließende Erythrozytapharese ist somit noch effizienter. Meist fallen die Eisenwerte schon nach 2 bis 3 Behandlungen ab. Außerdem sind nur alle 1 bis 3 Jahre eine bis drei Behandlungen notwendig. Der Patient kann als gesund betrachtet werden.

Selbsthilfe: Ernährung umstellen

Die Ernährung spielt bei der Therapie der Hämochromatose zwar nur eine untergeordnete Rolle, jedoch können diätische Maßnahmen die Heilung unterstützen.

  • Schwarzer Tee zum Essen vermindert die Aufnahme von Eisen.
  • Verzichten Sie auf Vitamin C-haltige Getränke (z.B. Orangensaft) 2 Stunden vor und nach dem Essen, da diese die Eisenaufnahme begünstigen.
  • Trinken Sie keinen Alkohol, da er die Aufnahme von Eisen steigert und Gift für die Leber ist.
  • Versuchen Sie auf stark eisenhaltige Nahrungsmittel zu verzichten: z.B. Blutwurst (30mg/100g), Schweineleber (18mg/100g), Weizenkleie (15mg/100g), Kürbiskerne (11,2mg/100g), Rinderschinken (10mg/100g), getrocknete Sojabohnen (9,7mg/100g), Pinienkerne (9,2mg/100g), Austern (5,8mg/100g).